Kramp-Karrenbauer verzichtet auf Kanzlerkandidatur und CDU-Vorsitz

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht Kanzlerkandidatin der Union werden. Zudem will sie bald auch den Parteivorsitz abgeben, wie sie im Partei-Präsidium deutlich machte.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) will nicht mehr: Sie wolle “zum Sommer den Prozess der Kanzlerkandidatur organisieren, die Partei weiter auf die Zukunft vorbereiten und dann den Parteivorsitz abgeben”, hieß es aus CDU-Kreisen. Kramp-Karrenbauer habe sich entsprechend im CDU-Präsidium geäußert.

Ungeklärtes Verhältnis zur AfD und der Linken

Dort habe Kramp-Karrenbauer auch darauf hingewiesen, dass es “ein ungeklärtes Verhältnis” von Teilen der CDU mit der rechtspopulistischen AfD und der Linken gebe. Sie sei “strikt gegen eine Zusammenarbeit mit AfD und Linke”, so AKK weiter mit Blick auf die jüngsten politischen Ereignisse in Thüringen.

Zudem sei es für sie “offensichtlich, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft sowie Kanzlerkandidatur in eine Hand gehörten”. Deshalb strebe sie keine Kanzlerkandidatur an.

Schlechtes Krisenmanagement 

Kramp-Karrenbauer war wegen ihres Krisenmanagements nach der umstrittenen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen kritisiert worden. Der FDP-Politiker Thomas Kemmerich war vergangenen Mittwoch im Landtag in Erfurt zum Ministerpräsidenten gewählt worden – mit den Stimmen von CDU und AfD, deren Landtagsfraktion von Partei-Rechtsaußen Björn Höcke geleitet wird, der laut einem Gerichtsurteil Faschist genannt werden darf. Kemmerich trat zwei Tage später auf massiven Druck hin vom Amt zurück, ist aktuell aber noch geschäftsführend im Amt. 

Merkel sagt danke 

Weiter hieß es, Kanzlerin Angela Merkel habe ihr für ihre Arbeit gedankt und betont, dass sie Verteidigungsministerin bleiben solle. Kramp-Karrenbauer war im Dezember 2018 zu Merkels Nachfolgerin als CDU-Chefin gewählt worden. Im Juli 2019 trat sie dann als Verteidigungsministerin in Merkels Kabinett ein, nachdem die bisherige Ministerin Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden war.

Details zu ihrem Rückzug will die 57-jährige AKK am Mittag in einer Pressekonferenz erläutern. 

“Die Erschütterungen gehen weiter” 

Europa-Staatsminister Michael Roth äußert sich als erstes Regierungsmitglied zum angekündigten Rückzug Kramp-Karrenbauers. “Die Erschütterungen gehen weiter”, twitterte der Sozialdemokrat.

Kipping befürchtet Rechtsruck in der CDU 

Linken-Parteichefin Katja Kipping äußerte die Befürchtung, dass die CDU nach dem Rückzug ihrer Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer Kurs auf eine Koalition mit der AfD nimmt. “AKKs Verdienst war, dass sie die Abgrenzung der Union nach rechts gehalten und damit die Seele der Union bewahrt hat”, sagte Kipping in Berlin. 

“Der Kampf um AKKs Nachfolge wird eine Richtungsauseinandersetzung”, fügte die Linken-Vorsitzende hinzu. Komme nun Friedrich Merz, “dann wird die CDU bald mit der AfD koalieren”. 

se/sti (dpa, rtr, afp) 

Aufrufe: 12

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*