“Manchmal halten sich Frauen die Nase zu, wenn Afrikaner vorbeigehen”

In der südchinesischen Stadt Guangzhou lebt die größte afrikanische Community der Volksrepublik. Der ugandische Geschäftsmann Arnold Masembe erzählt von seinem Alltag in einem Land, das an Zuwanderung nicht gewöhnt ist.

Eigentlich gilt China als klassisches Auswanderungsland – doch der wirtschaftliche Aufstieg des Landes hat auch eine Bewegung in die Gegenrichtung ausgelöst. In Guangzhou, Hauptstadt der stark industrialisierten Provinz Guangdong, leben heute laut offiziellen Angaben 15.000 Afrikaner.

Tatsächlich dürfte ihre Zahl deutlich höher sein. Fest steht: Keine chinesische Stadt hat eine größere afrikanische Community. Viele der Zuwanderer verdienen ihr Geld mit dem Export chinesischer Konsumgüter.

So hat auch der Geschäftsmann Arnold Masembe angefangen. Um Jeans für seine Heimat Uganda zu kaufen, kam er ab 2008 regelmäßig in die Stadt. Drei Jahre später gründete er hier seine eigene Logistikfirma, die er seither führt.

Seine Landsleute in Guangzhou haben den 41-Jährigen zum Vorsitzenden der Vereinigung “Uganda Community in China” gewählt, die in Not geratene Ugander unterstützt und als Brücke zu den chinesischen Behörden fungiert. Das ist nötig, denn auch in China haben viele Migranten mit einer komplizierten Bürokratie, Geldsorgen oder Rassismus zu kämpfen.

Auf dem Schreibtisch in seinem schlichten Büro im 14. Stock eines Hochhauses steht ein Ständer mit Wimpeln beider Länder. Masembe sagt, es gehe ihm gut in China, er verdiene hier anständiges Geld. Alt werden will er hier trotzdem nicht.

Hier berichtet Arnold Masembe von seinen Erfahrungen:

“In Guangzhou gibt es im Grunde drei Kategorien von Afrikanern: Leute wie mich, die hier Unternehmen gegründet haben und rechtlich abgesichert sind. Dann die Händler, die mit einem Business-Visum in China sind und alle 30 Tage über die Grenze müssen, um es zu erneuern. Und schließlich die, die ihr Visum überzogen haben und untergetaucht sind.

In diesem Jahr hat die chinesische Regierung angekündigt, mit der Situation aufzuräumen. Das hat sie auch vorher schon versucht, aber es heißt, diesmal werde es richtig ernst. Derzeit läuft eine viermonatige Amnestie: Wer sein Visum überzogen hat, soll sich melden und freiwillig zurückgehen; wer sich darauf einlässt, muss nicht ins Gefängnis.

Normalerweise bedeutet es 90 Tage Haft und bis zu 10.000 Yuan (rund 1280 Euro) Geldstrafe, wenn die Behörden jemanden aufgreifen, der illegal hier ist oder ohne Erlaubnis arbeitet. Beamte vom Büro für öffentliche Sicherheit patrouillieren die Straßen und verlangen, dass Passanten sich ausweisen. Sobald die Amnestie ausläuft, werden sie ihre Kontrollen wohl verschärfen.

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