Mehr als 120 Tote bei Kämpfen um Tripolis

Laut WHO hat sich die Zahl der Toten bei den Gefechten um Libyens Hauptstadt innerhalb von nur zwei Tagen fast verdoppelt. Sie kündigte medizinische Hilfe an und kritisierte, ihre Arbeit werde zunehmend behindert.

Bei den Kämpfen rund um die libysche Hauptstadt Tripolis sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang mindestens 121 Menschen getötet worden. 561 Menschen seien seit Beginn der Gefechte am 4. April verletzt worden, teilte die WHO mit.

Die Organisation kündigte an, medizinische Hilfe und weitere Mitarbeiter nach Tripolis zu entsenden. Sie verurteilte, dass es “wiederholte Angriffe” auf Helfer und Rettungswagen in der libyschen Hauptstadt gebe.

Die Europäische Union hat wegen der heftigen Gefechte ihre Mitarbeiter an der internationalen Grenzsicherungsmission EUBAM bereits vor zwei Tagen ins benachbarte Tunesien bringen lassen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte auch zu diesem Anlass die Truppen des im Osten Libyens herrschenden Generals Chalifa Haftar aufgerufen, alle militärischen Operationen einzustellen und wieder an den Verhandlungstisch unter UN-Leitung zurückzukehren.

“Haftar wird Offensive fortsetzen”

Trotz internationaler Friedensappelle zeichnet sich  im Kampf um Tripolis keine Entspannung ab. Der Vorsitzende des ostlibyschen Parlaments, Aguila Saleh, hatte an diesem Samstag angekündigt, dass Rebellengeneral Haftar seine Offensive gegen die international anerkannte Regierung des Landes fortsetzen werde.

Haftar ist Anführer der selbsternannten “Libyschen Nationalarmee” (LNA), die von einer rivalisierenden Regierung im Osten des Landes gestützt wird. “Wir versichern den Bewohnern von Tripolis, dass die Kampagne zur Befreiung von Tripolis begrenzt sein wird und keine Freiheiten verletzt werden, sondern die Sicherheit wiederhergestellt und der Terrorismus bekämpft wird”, sagte Saleh.

LNA-Truppen sichern Öl-Häfen ab

Truppeneinheiten, die zur Regierung in Tripolis stehen, haben den Vorstoß von Haftar allerdings bremsen können. Die Kämpfe konzentrierten sich zuletzt auf einen ausgedienten Flughafen etwa elf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

Im Osten Libyens bereitete sich eine Einheit der LNA derweil darauf vor, die beiden größten Öl-Häfen des Landes, Es Sider und Ras Lanuf, abzusichern. Die ostlibysche Gegenregierung rechnet nach eigenen Angaben mit einem Angriff bewaffneter Gruppen, die loyal zur Regierung in Tripolis stehen. Sollte es dazu kommen, könnte damit eine neue Front in dem Konflikt eröffnet werden. 

cw/sti (afp, ape, rtre)

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