Österreich: Corona-Sorgen am Wolfgangsee

Der Wolfgangsee in Oberösterreich ist ein Tourismusmagnet – und nun Corona-Hotspot. 53 Fälle sind bekannt, weitere werden befürchtet. Vor allem eine Gruppe junger Hotel-Praktikanten ist betroffen.

Eine Gruppe von 16- bis 17-jährigen Auszubildenden aus verschienden Teilen Österreichs, die ihre Sommerpraktika in Hotels und Gaststätten in St. Wolfgang absolvieren, ist als Kern des Corona-Clusters ausgemacht. Das sagt Theresia Schlöglmann, Einsatzleiterin des Krisenstabs des Landes Oberösterreich im ORF-Fernsehen:

“Der Cluster in St. Wolfgang hat im Kleinen begonnen. Wie es meistens ist. Das heißt – von ein paar jungen Personen in dem Fall ist es ausgegangen, die sich abends nach Arbeitsende getroffen haben, was den jungen auch nicht vorzuwerfen ist.”

Bis auf wenige Ausnahmen seien – soweit bekannt – fast ausschließlich Hotel- und Gaststättenmitarbeiter betroffen, berichtet der Landeskrisenstab. “Weil es im Mitarbeiterbereich natürlich naheliegend ist, dass sie in der Küche näher beisammen sein müssen, im Service näher beisammen sein müssen”, sagt Einsatzleiterin Schlöglmann. “Aber gegenüber den Gästen gut Abstand eingehalten wird, Mund-Nasenschutz getragen wird.”

Hunderte Urlauber getestet

Im auch bei deutschen Urlaubern beliebten Tourismusort St. Wolfgang am Wolfgangsee im oberöstereichischen Salzkammergut sollen sich zur Zeit nach Angaben des Bürgermeisters Fritz Eisl etwa 500 bis 800 Gäste befinden. Hunderte von ihnen nahmen das Angebot wahr, sich bei einer sogenannten Drive-in-Station des Roten Kreuzes kostenlos testen zu lassen.

Insgesamt sollen alleine an diesem Wochenende in der knapp 3000 Einwohner zählenden Gemeinde mehr als 1000 Corona-Abstriche genommen worden sein – bei Touristen, Anwohnern und Tourismusmitarbeitern. Zwei betroffene Gaststätten wurden geschlossen, für alle anderen gilt ab sofort eine Sperrstunde ab 23 Uhr. “Die nächste Konsequenz ist, dass wir alle Veranstaltungen im Ort auf ein Minimum reduzieren”, kündigt Bürgermeister Eisl an.

Risiko durch zurückgekehrte Urlauber

Auch wenn noch nicht alle Testergebnise vorliegen, gehen er und der Tourismusdirektor von St. Wolfgang, Hans Wieser, bereits davon aus, mit der “raschen und konsequenten Reaktion” auf die ersten Coronavirus-Infektionen im Ort erfolgreich gewesen zu sein.

Mit großflächigen Tests habe man die infizierten Personen schnell gefunden und die Infektionskette durchtrennt – heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Bereits abgereiste Urlauber könnten allerdings infiziert sein, ohne es zu wissen. “Das macht es natürlich schwieriger”, sagt Krisenstabsleiterin Schlöglmann. “Wenn man nicht weiß, wer sich infiziert hat, und der dann wieder in seine Heimatregion fährt, kann das dort zur Bildung eines neuen Infektionsherdes führen.”

“Besondere Herausforderung”

Deshalb hat die Gemeinde St. Wolfgang beschlossen, alle Urlauber zu kontaktieren, die seit dem 15. Juli in den betroffenen Betrieben zu Gast waren. Eine Hotline steht sowohl bereits abgereisten Gästen als auch Reisenden zur Verfügung, die ihren Urlaub in St. Wolfgang noch planen.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium in Wien heißt es, dass die Situation in St. Wolfgang eine “besondere Herausforderung” darstelle. Gesundheitsminister Rudolf Anschober teilte schriftlich mit, dass sein Ressort und die Landesbehörden sich bei der Vorgehensweise intensiv abstimmen würden. 

Erstmals seit Wochen waren in Österreich am Wochenende alle Bundesländer von Neuinfektionen betroffen, am Sonntag gab es insgesamt 134 neue Fälle. Schwer erkrankt sind aber relativ wenige Menschen. Im ganzen Land müssen weniger als 100 Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt werden.

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