Östterreich: Kurz: “Bei mir haben sich die Ereignisse überschlagen”

LINZ. Der Kanzler sprach bei den OÖN über seinen schnellen politischen Aufstieg. Kurz kündigte an, neue Bundesstellen außerhalb von Wien anzusiedeln.

“Als ich Anfang 20 war, hatte ich vor, einen anständigen Beruf zu wählen und nebenbei politisch aktiv zu sein”, sagte Sebastian Kurz (VP) bei der Veranstaltung “60 Minuten mit dem Kanzler” im OÖNachrichten-Forum in Linz.

Aber dann haben sich “die Ereignisse bei mir überschlagen”, wie es der 32-jährige Regierungschef formulierte. Vor rund 250 Gästen diskutierte Kurz am Freitagabend mit dem stv. Chefredakteur der OÖNachrichten, Wolfgang Braun, und dem OÖN-Wien-Korrespondenten Christoph Kotanko.

Als knapp 25-Jähriger wurde Kurz im Juni 2011 Staatssekretär, zwei Jahre später Außenminister, seit Ende 2017 ist er Bundeskanzler. “Die nächsten Schritte kamen immer viel schneller, als ich es wollte und vorhatte”, sagte Kurz.

Inhaltlich kündigte der ÖVP-Chef an, dass neue Bundesstellen künftig nicht in Wien angesiedelt werden sollen. Wie berichtet, hatte es mehrfach Kritik an Zentralisierung gegeben, weil 68 von 71 Bundesstellen in der Bundeshauptstadt ihren Sitz haben und auch die jüngsten vier Institutionen dort angesiedelt werden.

In Bayern und der Schweiz wird an einer Dezentralisierung gearbeitet, um die Regionen zu stärken. “Das ist das richtige Konzept. Wir werden es in Zukunft bei neuen Institutionen und Behörden so machen”, sagte Kurz.

Das bei bestehenden Bundesstellen umzusetzen, sei schwierig. “Da arbeiten teilweise 1000 Menschen, die in Wien und im Umland leben, da würde eine Welt zusammenbrechen, wenn der Arbeitsplatz nach Innsbruck verlegt würde.”

“EU muss selbstkritisch sein”

Beim Brexit sprach Kurz von einem “Stück weit Absurdität”, wenn jene, die die EU verlassen wollen, eventuell an den Europawahlen teilnehmen. Das Ziel müsse aber weiter sein, einen Hard Brexit ohne Abkommen zu verhindern. Zur EU sagte der Kanzler, dass es “keinen Grund gibt, Anti-Europäer zu werden”. Aber es sei natürlich viel schiefgelaufen, vor allem in der Migrationskrise.

Das Wirtschaftswachstum in China und den USA sei viel höher, die wertvollsten Unternehmen stammten nicht aus Europa. Darum sei Selbstkritik angebracht. Sein Koalitionspartner FPÖ halte ein, was im Regierungsprogramm stehe, nämlich, dass man pro-europäisch sei. Dass es im EU-Wahlkampf unterschiedliche Positionen geben werde, sei klar.

Kurz betonte, dass die VP/FP-Koalition nun das umsetze, was man versprochen und angekündigt habe, auch wenn es Widerstand wie bei Kassenreform und Arbeitszeitflexibilisierung gegeben habe. Erstmals seit mehr als 60 Jahren mache Österreich keine neuen Schulden mehr.

Packen, Jetlag: Kein Problem

Kurz wird des öfteren “Reisekanzler” genannt, weil er viel unterwegs ist. Wie es ihm mit dem Kofferpacken gehe? “Das ist kein Problem, ein Anzug, ein weißes Hemd, wenn notwendig eine Krawatte, das ist bei Herren nicht so eine Herausforderung.” Er vertrage die Strapazen relativ gut. “Wir halten das Programm immer straff.”

Ob er jemals Selbstzweifel habe? “Das ist ein ständiges Thema, wenn man so viele Entscheidungen treffen darf und muss”, sagte Kurz: “Nicht jede Entscheidung kann richtig sein.” Gemeinsam mit seinem Team diskutiere er darum oft sehr lange. Dass seine Vertrauenswerte in der Bevölkerung sogar noch zunehmen, relativierte Kurz. Er sei dankbar für den Rückhalt. “Das kann aber von heute auf morgen anders sein.”

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