Sicherheitskräfte im Sudan zum Tode verurteilt

27 Polizisten und Geheimdienstler sollen gehenkt werden. Ein Gericht befand sie für schuldig, während der Proteste gegen den damaligen Präsidenten Al-Baschir Anfang 2019, einen Demonstranten zu Tode gefoltert zu haben.

Vor gut einem Jahr begannen im Sudan die Massenproteste, die im April zum Sturz von Langzeitpräsident Omar Al-Baschir führten. Der Tod des Lehrers Ahmed al-Kheir Anfang Februar in der Stadt Chaschm al-Kirba im Osten des Landes war für die Demonstranten ein Schlüsselereignis.

Der Lehrer war während einer Protestaktion gegen Al-Baschir im Januar von Sicherheitskräften festgenommen worden. Danach wurde er in Räumen des Geheimdienstes geschlagen und gefoltert, bis er Anfang Februar starb.

Das Urteil eines Gericht in der Stadt Omdurman ist das erste, das im Zusammenhang dem blutigen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Protestbewegung fiel. Neben den 27 Todesurteilen verhängte das Gericht Haftstrafen gegen 17 weitere Angeklagte. Gegen die Urteile kann Berufung eingelegt werden.

Viele Angehörige warten noch auf Verurteilung der Täter

Al-Baschir hatte seit einem Militärputsch 1989 den Sudan regiert. Nach 30 Jahren an der Macht im April war er vom Militär gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen, die auch nach der vorübergehenden Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die Armee weitergingen. Das Land wird nun von einem Souveränen Rat aus Militärs und Zivilisten sowie einem Kabinett regiert. Sie sollen den Sudan während einer gut dreijährigen Übergangsphase zur Demokratie führen.

Während der Demonstrationen gegen Al-Baschir und den Militärrat wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International mindestens 177 Menschen getötet. Nach Angaben eines oppositionsnahen Ärztegremiums waren es  sogar mehr als 250 Demonstranten. Viele von ihnen kamen beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Protestierende vor dem Armeehauptquartier in Khartum am 3. Juni zu Tode. Zahlreiche Angehörige von getöteten Demonstranten warten weiterhin darauf, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

qu/jj (rtr, afp, ap)

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