Spionage beim Bundesheer: Offizier aus Salzburg soll für Russland gearbeitet haben

Im österreichischen Bundesheer ist eine Spionageaffäre bekannt geworden: So soll ein Salzburger Offizier mehr als 20 Jahre lang für Russland gearbeitet haben. Welche Infos er weiter gegeben haben könnte.

Der Inhalt der Anzeige, die am Donnerstag an die Staatsanwaltschaft Salzburg erging, hätte nicht brisanter sein können: Ein pensionierter Oberst des Bundesheeres soll für Russland spioniert haben.

Der mittlerweile 70-Jährige soll bis vor fünf Jahren noch aktiv Dienst versehen haben. Der Fall wurde publik, als das österreichische Bundesheer einen Hinweis eines befreundeten Nachrichtendienstes erhielt.

Wie ernst das Heer den Fall nimmt, zeigen SN-Recherchen. “Details gebe es nicht, um den Betroffenen zu schützen”, hieß es auf Anfrage. Offenbar fürchtet man um die Sicherheit und sogar das Leben des 70-Jährigen.

Er soll seit den 1990-iger Jahren für die Russen Informationen besorgt haben. Um welche Art von Geheimnissen es sich handelt, ist unklar. Offenbar soll der Beschuldigte aber in seiner Tätigkeit nicht mit geheimen oder streng geheimen Unterlagen in Berührung gekommen sein.

Laut Medienberichten sollen die Russen von dem Offizier Informationen über die Situation der Luftwaffe, der Artillerie, aber auch über die Flüchtlingslage bekommen haben. Zudem soll der Mann Dossiers über hochrangige Offizierskameraden an die Russen übermittelt haben. Dafür soll der Salzburger im Lauf der Jahre an die 300.000 Euro bekommen haben.

Laut Experten gehe es aber auch nicht immer um hoch brisante Informationen, die ausländische Dienste interessieren. Stichwort: Social engineering. Damit ist gemeint, möglichst viele interne Informationen aus einer eingeschworenen Organisation zu erlangen. Zum Beispiel: Wer versteht sich mit wem? Wo gibt es Feindschaften? Bis hin zu: Wer hat welches Lieblingsessen? “Diese Hintergründe werden mit Gold bezahlt”, erklärt ein Insider. Bei dem Verdächtigen wurden mehrere technische Geräte sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Darunter mehrer Laptops.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Verteidungsminister Mario Kunasek (FPÖ) betonten bei einer Pressekonferenz am Freitag im Bundeskanzleramt, wie ernst man die Situation nehme. Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) hat ihre geplante Russlandreise am 2. und 3. Dezember nach Moskau abgesagt. Der russische Geschäftsträger wurde noch für Freitagvormittag einbestellt.

“Wir verlangen transparente Informationen von Russland”, erklärte Kanzler Kurz. Es sei nicht der erste Fall in dem es zu einem Spionageverdacht gekommen sei. Auch aus den Niederlanden gab es kurz ähnliche Meldungen. Kurz will deswegen das weitere Vorgehen mit allen europäischen Partnern besprechen.

(SN, APA)

 

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