Südfrankreich: Drei Tote nach starken Regenfällen

Heftige Regenfälle haben im Süden Frankreichs zu Überschwemmungen geführt. Häuser wurden überflutet, Autos versanken im Wasser. Mindestens drei Menschen starben. Auch in Italien gab es Unwetter.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Die Bilder am Morgen sind immer noch eindrucksvoll: In mehreren Orten im Südwesten Frankreichs stehen Häuser inmitten von Wassermassen. Autos sind bis zu den Dächern in den Fluten versunken. Hunderte Menschen mussten die Nacht in Notunterkünften verbringen.

Laura, die mit ihren drei Kindern in einer Turnhalle in Fréjus am Mittelmeer Zuflucht gefunden hatte, nahm es im Fernsehsender BFM dennoch gelassen: “Ganz ehrlich, es hat wunderbar funktioniert. Die Ehrenamtlichen, die Leute vom Rathaus haben sich super gekümmert, wir hatten Decken und Liegen, und die Familien konnten sogar beieinander übernachten. Es ist insgesamt wirklich gut gelaufen.”

Von zwei auf sieben Meter Wasserstand

Die Lage hatte sich nach starken Regenfällen gestern dramatisch zugespitzt. Über zwei Mittelmeer-Départements, die Var und les Alpes-Maritimes, hatten die Behörden am Samstagnachmittag die höchste Hochwasseralarmstufe Rot verhängt. Zahlreiche kleine Flüsse schwollen zu reißenden Strömen an. Die Angers stieg in Roquebrune, gleich neben Fréjus, von normal rund zwei Metern auf über sieben Meter Wasserstand. Eine Autobahn, zahlreiche Straßen und Zugstrecken mussten gesperrt werden.

Viele Anwohner wurden von Einsatzkräften mit Booten und Hubschrauben evakuiert oder flohen – wie Laura – selbst vor den Wassermassen: “Wir haben die Flüsse anschwellen sehen, ich wohne genau zwischen der Reyran und der Argens”, erzählt sie. “Mein Garten war überschwemmt, wir hatten Angst. Da ich Kinder habe, habe ich es vorgezogen, das Haus zu verlassen.”

Zwei Tote

Nicht überall lief das Hochwasser so glimpflich ab. Die Polizei meldete heute, sie habe zwei tote Männer gefunden. Bereits in der Nacht auf Samstag war ein 77-jähriger, offenbar geistig verwirrter Mann im Département Var in der Nähe eines Hochwasserlaufs verschwunden. Am Samstagabend kenterte in Le Muy nördlich von Saint Tropez ein Feuerwehrboot bei einer Rettungsaktion mit sechs Menschen an Bord. Vier Passagiere, darunter drei Feuerwehrleute, konnten von einem Hubschrauber gerettet werde. Ein weiterer Passagier meldete sich später bei der Feuerwehr. Der sechste Mann an Bord gilt seit gestern Abend als vermisst. Ob es sich bei den beiden Vermissten um die Toten handelt, ist noch unklar.

Leichte Entwarnung

Mittlerweile sind die Regenfälle immerhin deutlich schwächer geworden. Pierre Dartout, der örtliche Regionspräfekt, gab leichte Entwarnung: “Wir sind von der Alarmstufe Rot zu Orange übergegangen. Das heißt, die Dinge werden etwas besser. Die Flüsse schwellen ab, aber langsam. Und es kann auch heute noch zu weiteren Überschwemmungen kommen.”

In einigen Gemeinden haben am Morgen bereits die Aufräumarbeiten begonnen. Wohl in dem Wissen, dass das nicht das letzte Hochwasser war. Denn in den vergangenen Jahren haben die Überschwemmungen im Süden Frankreichs deutlich zugenommen. “Ich glaube wir müssen uns damit abfinden, dass der Klimawandel nicht nur ein leeres Wort ist und sich solche Situationen wiederholen werden”, folgerte Jean-Pierre Giran, Bürgermeister von Hyères in der Var. Allein dort waren gestern rund 600 Menschen evakuiert worden.

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