Vormarsch von Haftar-Truppen in Libyen kommt ins Stocken

Der Vormarsch von Truppen des libyschen Generals Haftar auf Tripolis ist anscheinend vorerst gestoppt worden. Sie seien knapp 30 Kilometer westlich der Hauptstadt vertrieben worden, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Eine unabhängige Bestätigung dieser Meldungen gibt es allerdings nicht. Aus Sicherheitskreisen in der Hauptstadt Tripolis wurde bekannt, dass Einheiten der sogenannten Libyschen Nationalen Armee (LNA) in der Nacht zu Freitag von einem Kontrollpunkt 27 Kilometer westlich von Tripolis vertrieben worden seien. Eine Miliz aus der Stadt Sawija habe die Stellung nach einem “kurzen Feuergefecht” wieder eingenommen.

Die LNA steht unter Befehl des abtrünnigen, aber nach wie vor einflussreichen Generals Chalifa Haftar. Er gilt als der starke Mann im Osten Libyens und unterstützt mit seinen Truppen eine dort angesiedelte Gegenregierung zu der von Fajes al-Sarradsch geführten Einheitsregierung. Unter anderem übernahmen seine Truppen zwei der größten Ölfelder Libyens. Am Donnerstag hatte Haftar seinen Truppen befohlen, in Richtung der im Westen des Landes gelegenen Hauptstadt Tripolis vorzurücken. Unterstützt wird der General von Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten.

Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates

Der Vormarsch der LNA hatte Sorgen vor einer Eskalation der Gewalt in dem nordafrikanischen Land geschürt. Der UN-Sicherheitsrat in New York setzte deshalb auf Antrag Deutschlands für diesen Freitag eine Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen an. In einer Mitteilung der USA, Frankreichs, Italiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Großbritanniens heißt es, die Gewalt drohe Libyen “zurück ins Chaos zu treiben”. Auch Russland teilte mit, man beobachte die Situation genau. Es müsse nun darum gehen, ein Blutbad zu vermeiden. Gleichzeitig dementierte Russland Berichte, wonach die Regierung in Moskau Haftar unterstütze.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der sich derzeit in Libyen aufhält, rief in Tripolis zu einem Ende aller Truppenbewegungen und zur Deeskalation auf. Er reiste nach Bengasi in Ost-Libyen, um Haftar zu treffen.

Seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in dem nordafrikanischen Land Bürgerkrieg. Die Zentralregierung in Tripolis hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. 

Libyen hat sich zu einem der wichtigsten Transitländer von Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Von der libyschen Mittelmeerküste legen immer wieder Boote mit Flüchtlingen ab.

Dw/mm/as (ap, afp, rtr)

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