Weniger Journalisten getötet, mehr in Haft

Mit weltweit 49 getöteten Journalisten verzeichnet die Organisation “Reporter ohne Grenzen” den niedrigsten Stand seit 16 Jahren. Doch die Gründe für den Rückgang der Todesfälle sind nicht unbedingt positiv.

Norma Sarabia Garduza sitzt auf einer Veranda, als die maskierten Männer kommen. Sie steigen aus ihrem Fahrzug, feuern mehrere Schüsse auf die Journalistin ab und verschwinden. Die 46-Jährige stirbt sofort.

Garduza ist eine von zehn Journalistinnen und Journalisten, die in diesem Jahr in Mexiko getötet wurden. Sie schrieb über Korruption und Gewaltverbrechen im Bundesstaat Tabasco im Südosten des Landes.

57 Journalisten entführt, 389 inhaftiert

Auch 2019 gehört Mexiko neben Syrien, Afghanistan, Somalia und Pakistan zu den gefährlichsten Ländern für Medienschaffende*. Das ergab der jährliche Bericht zur Pressefreiheit der Organisation “Reporter ohne Grenzen” (ROG).

Die gute Nachricht: 2019 ist die Zahl der weltweit getöteten Journalisten deutlich zurückgegangen. Wurden im Vorjahr noch 87 professionelle Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter getötet, so waren es in diesem Jahr – Stand Anfang Dezember – nur noch 49. Das ist der niedrigste Stand seit 16 Jahren. Besonders die Zahl der Journalisten, die in Kriegs- und Krisenregionen starben, ist stark gesunken.

Weniger Kriegsreporter im Einsatz

“Dafür gibt es verschiedene Gründe, die allerdings nicht nur positiv sind”, sagt Juliane Matthey, Pressereferentin bei ROG. Zum einen berichten deutlich weniger ausländische Reporter aus Kriegs- und Krisenregionen. Erstmals wurde kein Journalist bei einem Auslandseinsatz getötet, alle starben in ihrem eigenen Land.

Auch sind viele Reporter inzwischen besser für ihren Einsatz in Kriegsgebieten geschult und ausgerüstet. Das gilt besonders für den Nahen Osten. Afghanische Journalisten hätten sich laut Matthey darauf eingestellt, Gruppen und lange Wege zu meiden, um das Risiko eines Angriffs zu reduzieren.

Im Jemen ist die Zahl der Todesfälle ebenfalls deutlich gesunken – von zehn im Jahr 2018 auf zwei im Jahr 2019. “Das liegt aber auch daran, dass viele Journalisten ihren Beruf wegen der instabilen Lage gewechselt haben”, so Matthey. Ein ehemaliger Reporter der Zeitung “Al-Thawra” arbeitet laut “Reporter ohne Grenzen” inzwischen als Kellner in der Hauptstadt Sanaa. Ein früherer Journalist der Zeitung “Akhbar al-Youm” verkauft Eis.

Im Gegensatz zu den Todesfällen ist die Zahl der inhaftierten Journalisten 2019 gestiegen. Weltweit saßen Anfang Dezember 389 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Das sind rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Den größten Anteil daran trägt China. Dort hat sich die Zahl der inhaftierten Journalisten innerhalb eines Jahres verdoppelt – von 60 auf 120.

Bürgerjournalisten unter Druck

Mehr als 40 Prozent von ihnen sind Bürgerjournalisten. Das sind Menschen, die ohne journalistische Ausbildung selbst recherchierte Inhalte mit der Öffentlichkeit teilen.

In China haben Bürgerjournalisten trotz verschärfter Zensur versucht, über das Internet unabhängige Informationen zu verbreiten. Ihnen wird “Spionage” oder “Separatismus” vorgeworfen.

Der prominenteste Fall ist der des Bürgerjournalisten und Wirtschaftswissenschaftlers Ilham Tohti. Er sitzt seit 2014 wegen “Separatismus” in einem chinesischen Gefängnis. Tohti hatte sich auf seiner Website für die Rechte der Uiguren eingesetzt. In China wird die muslimische Minderheit mit wachsender Härte verfolgt.

*Unter dem Begriff Medienschaffende fasst “Reporter ohne Grenzen” alle professionellen Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter.

Quelle: DW

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